Die transformiernde Kraft des Singens
Singen verändert den Menschen
Ich war ein lautes Kind und stellte mich gern in den Mittelpunkt. Ich wollte sicher schlechte Stimmungen in der Familie ausgleichen. Meine Eltern waren fleissig und ehrgeizig und wollten viel erreichen. So kamen einige Bedürfnisse zu kurz. Erschöpfungszustände oder phasenweise depressive Zustände glich ich mit meinem Humor und meiner Fähigkeit, Stimmungen zu erfassen intuitiv aus. So lernte ich meine eigenen unangenehmen Gefühle beiseite zu schieben. Als Erwachsene war es ein steiniger Weg, sie wieder wahrzunehmen und Schritt für Schritt zu integrieren. Dabei war mir – und ist es heute noch – das Singen DIE große Hilfe.
Als ich Gesang zu studieren begann, brach ich fast immer beim Üben in Tränen aus. Ich konnte mir das nicht erklären. Ich sang doch so gerne. Und trotzdem, überkam mich eine so überzeugende Traurigkeit, dass ich ihr nachgeben musste und mich weinen ließ. Irgendwann war es mir zu viel und ich musste mit dem Singen aufhören. Erst nach 10 Jahren ohne Gesang, wagte ich mich wieder daran und nahm ganz vorsichtig erneut Gesangsunterricht.
Etwas gereift konnte ich nun erkennen, dass wohl die feinen Vibrationen des Singens und Klingens, Gefühle, die in meinem Körper gespeichert waren, wieder auferstehen ließen. Erst mit 40 konnte ich diese Gefühle mit Dankbarkeit annehmen, entschlüsseln und verarbeiten. Heute – im Nachhinein – empfinde ich mich immer wenn ich singe, als ganzen, heilen und kräftigen Menschen.
Ich weiß um die transformierende Kraft des Singens und finde sie eine großartige Chance mit seinem Leben aufzuräumen.