Die Opernsängerin Jessye Norman sagte einmal, singen könne jeder, der ein Gehör hat. Das sagt sich leicht – und wenn man der großartigen Sopranistin beim Singen zusieht, sieht es auch leicht aus. Aber man ahnt, dass hier ein ganzer Körper und jedes Körperdetail mitspielt. Mit Katrin Stuflesser zu arbeiten macht aus dieser Ahnung eine sehr konkrete Erfahrung. Es fühlt sich zunächst an, wie eine Einladung zum gemeinsamen, zwanglosen Spiel: sie spielt vor, spielt mit und beobachtet. Eine äußerst genaue Beobachtung, die sie einem mitteilt, als würde sie behutsam und äußerst fingerfertig die Korsette aufschnüren, die unsere Bewegungen hemmen und damit die Stimme beengen. Das Ganze hat weniger den Charakter einer Unterweisung. Man empfindet es vielmehr als bildhafte Enthüllung und als greifbarer Anreiz zur Nutzung des Instrumentariums, das wenig oder bislang gar nicht beachtet im eigenen Körper steckt.